Immer mehr Unternehmen sind an Feiertagen erreichbar

Arbeiten, wenn andere feiern. Das ist nicht nur im Einzelhandel, Krankenhäusern, Polizei und Feuerwehr gang und gäbe. Auch die Mitarbeiter von Systemhäusern müssen oft ständig erreichbar sein.

 

Die Zahl der Beschäftigten, die zwischen den Jahren beruflich erreichbar sind, nimmt stetig zu. Laut einer Studie des ITK-Verbandes Bitkom waren 2017 rund 73 Prozent der Berufstätigen, die an Weihnachten und Neujahr Urlaub haben, dennoch für dienstliche Kommunikation offen. 2016 waren es noch 65 Prozent.  Das widerspricht den Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes, das den Zweck verfolgt, „den Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung der Arbeitnehmer zu schützen“.

 

Aber Realität und Theorie klaffen weit auseinander. Rein rechnerisch muss jeder Betrieb nur alle 220 Jahre mit einer Arbeitszeit-Kontrolle rechnen, wie die Bundesregierung auf eine Anfrage zugab. 

 

Ohnehin sind Weihnachten (24. Dezember) und Silvester (31. Dezember) keine gesetzlichen Feiertage. Grundsätzlich besteht an beiden Tagen Arbeitspflicht. Es gibt in einigen Fällen Tarifverträge, die dafür eine mindestens teilweise Arbeitsbefreiung vorsehen. Es hängt aber allein vom Arbeitgeber ab, ob ein halber oder ganzer Urlaubstag nötig ist, um an diesen beiden Tagen frei zu bekommen. Einen gesetzlichen Anspruch auf sogenannte Feiertagszuschläge gibt es nicht. Lediglich für geleistete Nachtarbeit an solchen Tagen gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf einen Aufschlag.

 

Aber viele Menschen wollen sowieso ständig erreichbar sein. 62 Prozent der vom Bitkom Befragten gaben an, dass sie damit die Erwartung ihrer Vorgesetzten erfüllen wollen.

 

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder fordert von den Chefs mehr Zurückhaltung: „Gerade zum Jahresabschluss ist es für viele Menschen wichtig, zur Ruhe zu kommen und durchzuatmen. Zu verantwortungsvoller Führung gehört neben der Rechtslage auch dieses Bedürfnis anzuerkennen.“

 

Interessanterweise ist es entgegen aller Klischees nicht die junge Generation, die auf ständige Erreichbarkeit setzt. Bei den 14- bis 29-Jährigen ist der Prozentsatz derer, die an den Feiertagen ganz abschalten wollen, laut Bitkom erheblich höher als in der Gesamtbevölkerung.

 

Klassischer Schichtdienst

 

Noch etwas anders stellt sich die Situation im klassischen Schichtdienst dar. Polizei, Feuerwehr und Krankenhäuser müssen rund um die Uhr erreichbar sein und sind in der Regel an Silvester sogar besonders gefordert, wenn die Sektkorken knallen und die Feuerwerkskörper explodieren. Auch zahlreiche Mitarbeiter von Systemhäusern müssen arbeiten, wenn die Anderen feiern, um den Support für die Kunden zu gewährleisten. Immerhin ist der „Y2K“ Hype vorbei, als viele ernsthaft damit rechneten, mit dem Neujahr 2000 breche die gesamte IT-Infrastruktur zusammen und komplette Belegschaften um Mitternacht an ihren Rechnern saßen.

 

Bei den Krankenhäusern ist die Regel verbreitet, dass Mitarbeiter entweder an Weihnachten oder an Silvester arbeiten, aber nicht an beiden Tagen. Gerade in der IT-Branche sind aber immer wieder Berichte zu hören, dass die Angestellten nicht nur Weihnachten und Silvester, sondern auch an den gesetzlichen Feiertagen bedenkenlos eingespannt werden.    

 

 

Quelle Titelbild: iStock / Kerkez