Mittelstand sucht Digitalisierungspartner – Strategien für Systemhäuser

Disruption, Cloud Computing und das Internet of Things – alles Buzzwords, die Sie seit der Digitalisierung kennen sollten. Obwohl sie große Geschäftschancen mit den richtigen Technologien für Systemhäuser bringt, beklagen viele Unternehmen, dass ihnen vor allem die Zeit und das Budget für eine Transformation fehlen.

 

Digitalisierung ist längst kein Hype-Begriff mehr, sondern in der realen Geschäftswelt angekommen. Laut einer Studie des Branchenverbandes Bitkom verfolgen mittlerweile vier von fünf mittelständischen Unternehmen eine Digitalisierungsstrategie und sehen klar, dass diese mehr Chancen als Risiken bietet. Digitalisierung ist keine rein technische Frage, sondern geht mit einem Kulturwandel einher.

 

Allerdings gibt es Unsicherheiten und Hindernisse. Vorstände klagen über fehlende Mittel und Zeit und sind unsicher über die richtigen Methoden und Ziele. Auch gibt es deutliche Unterschiede zwischen größeren und kleinen Unternehmen. Während 74 Prozent der Unternehmen mit mehr als 2.000 Mitarbeitern sich, laut Bitkom, als Vorreiter in Sachen Digitalisierung sehen, sind es bei den Firmen mit 20 bis 99 Mitarbeitern nur ein Drittel. Fünf Prozent dieser kleineren Firmen glauben sogar, sie hätten den Anschluss verpasst.

 

Hier kommen Systemhäuser ins Spiel, denn für sie ist das Thema Digitalisierung sowohl Herausforderung als auch Chance. Sie können mittelständische Unternehmen dabei unterstützen, die Hürden auf dem Weg zu einer echten Digitalisierung aus dem Weg zu räumen und dadurch höhere Agilität und Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Dafür müssen sie allerdings selbst die nötige Kompetenz und Erfahrung erwerben, um ihren Kunden mit einer echten Beratungsleistung geldwerte Vorteile zu verschaffen.

 

Neue Technologien gefragt

 

Zwar ist Technologie nicht alles, aber doch ein wichtiger Bestandteil der Digitalisierung. Laut dem Digital Transformation Index (DTI) von Dell Technologies in Zusammenarbeit mit Intel wollen fast die Hälfte aller Unternehmen Sicherheit und Datenschutz von Grund auf in alle Geräte, Anwendungen und Algorithmen einbauen. 43 Prozent haben vor, mit digitalen Technologien die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen zu beschleunigen.

 

Investieren wollen die befragten Deutschen laut Dell in den nächsten drei bis fünf Jahren vor allem in Cybersicherheit (49 Prozent), Multi-Cloud-Umgebungen (37 Prozent) und Technologien für das Internet der Dinge (36 Prozent). Investitionen in kommende Technologien wie Blockchain oder Quantencomputer haben immerhin bereits 14 Prozent beziehungsweise 11 Prozent geplant.

 

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Studie von Lünendonk, einem Analysten für Marktforschung Branchen- und Unternehmensanalysen: Dienstleister registrieren eine verstärkte Nachfrage ihrer Leistungen rund um IT-Security und Datensicherheit. Kunden erhoffen sich von Systemhäusern mehr Unterstützung bei der Einführung neuer Cloud-Services durch Beratung hinsichtlich ihrer Cloud-Strategie, der Sourcing-Optionen und bei der Implementierung und Orchestrierung sowie Vernetzung der verschiedenen Cloud-Lösungen. Technologien rund um Big Data Analytics sowie Leistungen für das Internet of Things (IoT) sind weitere Unterstützungsbereiche, auf die sich die IT-Dienstleister verstärkt einstellen.

 

Daran sollten sich also Systemhäuser orientieren und sich selbst in diese gewünschten Technologien einarbeiten und entsprechende Angebote aufsetzen, insbesondere bei Sicherheit, Cloud, Künstlicher Intelligenz und dem Internet der Dinge.

 

Prozesse verschlanken

 

Neben der Technologie sind Unternehmensprozesse und Organisationsmodelle ein weiterer wichtiger Bestandteil einer Digitalisierungsstrategie. Tools allein reichen nicht, sie müssen auch sinnvoll eingesetzt werden.  

 

In mittelständischen Unternehmen sind Altprozesse an der Tagesordnung, von denen niemand mehr weiß, wer sie eigentlich aufgesetzt hat. Werkzeuge zur Prozessautomation können ineffiziente Prozesse aufzuspüren, um damit Kosten zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Es gibt mindestens fünf gute Gründe für Prozessautomation. Dazu zählen Effizienzsteigerung, Kostensenkung, Fehlervermeidung, verbesserte Kommunikation und genauere Einblicke.

Systemhäuser können mit einer Optimierung der Prozesse viele Schmerzen ihrer Kunden lindern und damit den Weg zur Digitalisierung ebnen.

 

Legacy modernisieren

 

Nicht nur veraltete Prozesse, sondern auch Altanwendungen sind in vielen Fällen ein Hemmschuh. Alte Applikationen für ERP und Rechnungswesen sind aber oft unternehmenskritisch und werden nur ungern angefasst. Hier gibt es zwei Wege: Entweder können Systemhäuser moderne Lösungen vorschlagen, die einen größeren Leistungsumfang bieten und eine Migration forcieren oder sie können den Weg „Wrapping Legacy in the Cloud“ beschreiten. Letzteres heißt, dass die Altanwendung im Kern erhalten bleibt, aber so in der Cloud verpackt wird, dass sie auf einer aktuellen Infrastruktur-as-a-Service läuft und damit leistungsfähiger und interaktiver wird. Eine solche sanfte Migration ist oft ratsamer, als ein vollständiges Produktupgrade, bei dem Probleme bezüglich Betriebsunterbrechung und Datenmigration auftreten können.

 

Netzwerke bilden

 

Nur wenige Systemhäuser werden alle Aspekte der Digitalisierung gleich gut abdecken können. Deswegen ist es wichtig, Netzwerke zu bilden und andere Reseller zu identifizieren, die in ihrem Gebiet Spezialisten sind und auf deren Expertise zurückzugreifen. Beziehungen sind immer gut und wenn der persönliche Kontakt klappt, spricht nichts dagegen, mit anderen Systemhäusern zusammenzuarbeiten. Die großen IT-Hersteller fördern diesen Trend: Microsoft, Veeam, Acronis und andere bieten auf ihren Partnertagen eine Plattform, um Kontakte zu knüpfen und sich zu vernetzen.

 

Quelle Titelbild: iStock / gorodenkoff