Rettet 5G den ländlichen Raum?

Rettet 5G den ländlichen Raum?

Die Netzabdeckung in Deutschland ist kein Ruhmesblatt. Eine Reihe neuer Initiativen soll die derzeitige Situation verbessern, unter der vor allem Unternehmen im ländlichen Raum leiden.
Doch inwiefern spielt die 5G-Abdeckung im ländlichen Raum für Systemhäuser heute und morgen eine Rolle?

Michael Dell, Gründer des gleichnamigen Unternehmens wurde deutlich: „In keinem anderen Land hatte ich solche Schwierigkeiten, eine normale 3G-Verbindung zu bekommen wie in Deutschland.“ Unabhängige Analysten untermauern diesen anekdotischen Eindruck. Laut dem „Mobilfunk Report 2019“ von Speedcheck liegt Deutschland bei der Netzabdeckung auf Platz 70 weltweit. In Europa schnitten nur Polen und Irland noch schlechter ab.

Hoffnungen ruhen auf dem neuen 5G-Standard. Die Versteigerung der dafür nötigen Frequenzbereiche an Telekom, Vodafone, Telefónica und Drillisch brachte dem Bund etwa 6,5 Milliarden Euro ein. Wegen der geringen Reichweite der Sendemasten werden aber in naher Zukunft erst einmal die Bewohner von Ballungsräumen profitieren. Langfristig ist das sowohl für die Unternehmen vor Ort als auch für die Systemhäuser, welche diese betreuen, ein Problem, denn besonders im Bereich Cloud-Backup ist eine starke Internetverbindung ein „Muss“, um hier große Datenmengen über Nacht zu sichern.

Der Bedarf steigt

Laut einer Studie von Cisco wird sich der Bedarf an mobilen Endgeräten und bandbreitenintensiven Anwendungen, wie Videokommunikation nochmals stark steigern. So wird laut Cisco der gesamte IP-basierte Videoverkehr um das Dreifache wachsen, die Anzahl aller vernetzen mobilen Geräten soll bis 2022 fast ein Drittel betragen. Diese für Systemhäuser ohnehin wichtigen Geschäftsfelder, wie der Aufbau einer virtuellen Infrastruktur und die komplette Vernetzung, bleiben also hochrelevant und benötigen eine starke Basis in Form von realer Infrastruktur.

Besonders Services wie Cloud-Backup-Lösungen brauchen heute schon eine hohe Bandbreite, wie Stefan Mende, Head of BUSYMOUSE NEXT weiß: „Besonders bei Cloud-Lösungen, bei denen mit großen Datenmengen, wie das bei einem Backup üblich ist, gearbeitet wird ist eine schnelle Leitung ein Muss. Wenn ich hier als Systemhaus nicht gewähren kann, dass das Backup problemlos über Nacht durchgeführt werden kann, habe ich ein Problem Cloudlösungen schmackhaft zu machen und Unternehmen greifen auf lokale Speicherlösungen zurück.“

Ein wichtiger Punkt ist auch die deutliche kürzere Latenzzeit bei 5G. Diese wird insbesondere für neue Technologien wie autonomes Fahren benötigt, wird aber auch bei Cloud-Projekten immer wichtiger – beispielsweise bei Remote-Angeboten welche eine schnelle Antwortzeit benötigen. Ist hier die Latenz zu gering, zieht die Schrift nach, wenn ein Nutzer etwas eintippt. Das schmälert die Customer Experience erheblich und senkt damit auch die Akzeptanz für solche Cloud-Angebote.

Neue Netzinitiative

Wie wird auf diesen steigenden Bedarf reagiert? Die Politik hat jetzt die neue Initiative 5G-Innovationsprogramm gestartet, um die Netzabdeckung zu verbessern. Bundesinfrastrukturminister Andreas Scheuer will den Mobilfunkausbau in schlecht versorgten ländlichen Regionen mit weiteren Maßnahmen voranbringen. So soll es beispielsweise neue Regelungen für schnellere Genehmigungs- und Ausbauprozesse geben. Als Standorte für Sendeanlagen sollen öffentliche Grundstücke bereitgestellt werden. Gestärkt werden sollen auch Kooperationen von Anbietern beim Ausbau und die Akzeptanz bei Anwohnern.

Weiße Flecken, also Gebiete (z. B. Städte und Gemeinden), die die Bundesländer gegenüber der Bundesnetzagentur als nur mangelhaft – weder durch Festnetz noch durch Mobilfunk – mit Breitband-Internet versorgt benannt haben, sollen beseitigt werden. Dafür soll die Strategie über bisherige Auflagen und Zusagen der Anbieter hinausgehen. Konkret ist unter anderem geplant, die Mobilfunkversorgung in Zügen zu verbessern. Dafür sind von Herbst an 50 Millionen Euro als Förderung vorgesehen. In Grenzregionen sollen Netzbetreiber weitere Stationen des LTE-Standards aktivieren oder bestehende in der Leistung maximieren können.

Abzuwarten bleibt, ob die neue Initiative auch wirklich hilft. In der Vergangenheit blieben solche Pläne meist weit hinter den Erwartungen zurück.

Systemhäuser müssen aktiv werden

Wenn Systemhäuser und ihre Kunden unter einer unbefriedigenden Situation in Sachen Anschluss leiden, sollten Sie proaktiv vorgehen. Gehen Sie auf Gemeinderat und Bürgermeister zu, gründen Sie Bürgerinitiativen und engagieren Sie sich. Wer nicht laut aufschreit, wird meist ignoriert. Nutzen Sie die Angebote der Politik und nehmen Sie am 5G-Innovationsprogramm teil.

BUSYMOUSE bietet Resellern Unterstützung mit passgenauen Informationen und weitergehenden Angeboten im Rahmen des Trainingsportals BUSYMOUSE NEXT. Wenden Sie sich an Ihren persönlichen Ansprechpartner, wenn Sie weitere Hilfe benötigen.

 

Quelle Titelbild: iStock / steved_np3