Welche Regeln gelten eigentlich für E-Scooter?

Welche Regeln gelten eigentlich für E-Scooter?

Besonders in deutschen Großstädten wie München hat kein Gefährt das Stadtbild diesen Sommer so geprägt wie der E-Scooter. Seit einigen Wochen rollen die elektrischen Roller über die Straßen und Radwege der Republik und erhitzen die Gemüter.

Mittlerweile werden viele die E-Scooter schon selbst getestet haben und sich ein eigenes Bild gemacht haben. Tiefer mit den Sicherheitshinweisen beschäftigt haben, dürften sich deutlich weniger Leute – so herrscht hier noch große Unsicherheit. Da auch immer mehr Unternehmen über einen Einsatz der neuen Zweiräder nachdenken, oder diese sogar schon nutzen, ist es höchste Zeit das Thema einmal genauer zu beleuchten.

Mehr Mobilität im Außendienst

Besonders im Außendienst müssen die Mitarbeiter stetig mobil sein und ggf. auch einmal spontan zum Kunden fahren. In städtischen Gebieten ist hier das Auto nicht immer die erste und beste Wahl, da die Parkplatzsuche teilweise mehr Zeit in Anspruch nehmen kann, als die Fahrt selbst. Gerade für solche Kurzstrecken sind die elektrisch betriebenen Tretroller eine gute Alternative und können auch Systemhäuser noch mobiler machen.

Wichtige Sicherheitshinweise

Auch wenn die E-Scooter schon gut von der urbanen Zielgruppe angenommen werden, herrscht noch Unsicherheit darüber was erlaubt ist und was nicht. Damit es nicht zu einem unangenehmen Konflikt mit der Staatsgewalt kommt, sollten Sie folgende Sicherheitshinweise beachten.

  1. Straßenzulassung: In immer mehr Bau- und Elektronikfachmärkten werden die elektrischen Roller zum Kauf angeboten. Viele Kunden wissen jedoch nicht, dass diese in der Regel keine Straßenzulassung haben und somit lediglich auf öffentlich nicht zugänglichen Privatgeländen genutzt werden dürfen. Wer hier gegen verstößt, begeht nicht nur eine Ordnungswidrigkeit, sondern sogar eine Straftat. Außerdem hat der Fahrer keinen Versicherungsschutz und muss so bei einem Unfall selbst für den Schaden aufkommen.
  2. Alkohol: Oft ist bei Unfällen Alkohol im Spiel. Aber auch für E-Scooter- und Fahrradfahrer gilt die Promillegrenze. Motorradfahrer können ein Lied davon singen: Bereits ab 0,3 ‰ ist man nur eingeschränkt fahrtüchtig und es können im Ernstfall empfindliche Strafen drohen. Bei Werten zwischen 0,5 ‰ und 1,09 ‰ liegt eine Ordnungswidrigkeit vor. Wer erwischt wird, riskiert ein Bußgeld von 500 Euro und zwei Punkte in Flensburg sowie einen Monat Fahrverbot. Bei 1,1 ‰ und drüber ist definitiv der Führerschein weg und es winken hohe Geld- oder Gefängnisstrafen.
  3. Geschwindigkeit: Ein Grund dafür, dass viele E-Scooter keine Straßenzulassung haben, ist der, dass sie zu schnell sind. Sie dürfen nur maximal 20 km/h fahren. Hier müssen einige Hersteller, so wie das im Channel gehypte chinesische Unternehmen Xiaomi, noch nachrüsten.
  4. Abmessungen und Gewicht: Nachrüsten müssen einige Hersteller auch noch in diesen beiden Punkten. E-Scooter dürfen in Deutschland nur höchstens 70 cm breit, 1,40 m hoch und 2,0 m lang sein. Das Gewicht ohne Fahrer ist auf 55 kg begrenzt.
  5. Ausstattung und Zubehör: E-Scooter müssen hierzulande über zwei Bremsen verfügen. Bremsen durch Heruntertreten der hinteren Stoßstange ist nicht gestattet. Weiter vorgeschrieben sind eine Klingel und Beleuchtung. Eine Helmpflicht besteht nicht, obwohl Experten der Polizeigewerkschaft sie dringend empfehlen, eine Führerscheinpflicht abgesehen vom Mindestalter von 14 Jahren auch nicht. Wiewohl gibt es aber eine Versicherungspflicht und es müssen die Roller mit Plakette zugelassen sein, um sie im Straßenverkehr zu nutzen. Die Leistungsobergrenze liegt bei 500 W oder bei 1.400 W bei selbstbalancierenden Fahrzeugen.
  6. Keine Familienkutsche und kein Packesel: Oft sieht man junge Leute zu zweit auf einem E-Scooter fahren. Das ist keine gute Idee und wird im Zweifel streng geahndet. Denn die Vehikel sind nur für eine Person zugelassen. Sie sind auch nicht als Packesel für große, schwere Gegenstände gedacht. Mit dem XXL-Koffer vom Bahnhof nach Hause zu düsen ist keine gute Idee und kann böse ins Auge gehen.
  7. Radwegepflicht: So vorhanden, dürfen E-Scooter nur auf Radwegen und Radstreifen genutzt werden, ansonsten dürfen sie auch auf Straßen gefahren werden. Gehwege sollten gemieden werden. Wenn unvermeidlich, gilt dort das Fahren im Schritttempo auf Gehwegen. Fußgänger selbst dürfen weder behindert noch gefährdet werden.
  8. Im Zweifel Tempo runter: Viele Unfälle ereignen sich an Hauseingängen oder Einfahrten. Denn oft passiert es, dass ein Kind oder ein Erwachsener von der Haustür über die Straße springen will und den lautlos dahinschwebenden E-Scooter gar nicht hört. Im Zweifel sollten die Rollerfahrer daher an Eingängen das Tempo drosseln. Wie bei E-Autos ab 2020 wäre es auch überlegenswert, die E-Roller mit einem Mindestgeräusch zu versehen. Fahrräder mit Gangschaltung schnarren oder klappern schließlich auch.
  9. Mitnahme in Bus und Bahn: Dafür und für die Überbrückung der letzten Meile sind die E-Scooter eigentlich gedacht. Und tatsächlich dürfen sie in den ÖPNVs auch kostenlos mitgenommen werden. Aber der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen betont, dass sie in Bus oder Bahn platzsparend zusammengeklappt und verstaut werden müssen. Für E-Roller, die sich nicht zusammenklappen lassen, wird wie bei der Mitnahme von Fahrrädern in der Regel ein auf den Kinderpreis vergünstigtes Fahrgeld erhoben.

 

Quelle Titelbild: iStock / Angelina Zinovieva