Werden E-Scooter das neue Ding für den ITK-Markt?

Werden E-Scooter das neue Ding für den ITK-Markt?

Der ITK-Fachhandel lebt heute von Disruption. Rund 20 Jahre nach dem Durchbruch von Digitalkameras könnten E-Scooter, wiewohl noch sehr umstritten, mit den richtigen Partnern an der Seite das nächste disruptive neue Geschäftsmodell für den Channel werden.

Ein Vierteljahr nach ihrer Straßenzulassung in Deutschland gibt es kein Gefährt, das so umstritten ist wie E-Scooter, auch Elektro-Tretroller genannt, obwohl von Treten keine Rede sein kann. Denn anders als Pedelecs oder E-Bikes fahren die E-Scooter rein elektrisch ohne Muskelkraft. Jung wie Alt schwebt so heute – „Back to the Future“ lässt grüßen – durch die Straßen und erregt so die Gemüter der Kritiker.

Die lautlose Gefahr oder echte Alternative?

Diese sagen, die „Dinger“ wären viel zu leise, zu wackelig, zu gefährlich, sie würden die Gehwege versperren und den Radlern ihre meist viel zu engen Streifen streitig machen. Von der Umweltverträglichkeit ganz zu schweigen. Aber war einst nicht auch die Dampflock oder das Auto so verteufelt? Und haben die neuen Vehikel nicht das Zeug, umweltfreundlich den Autoverkehr zu entlasten und die letzte Meile zu überbrücken, wie die Befürworter sagen?

Umstritten sind die E-Roller vor allem nach den Erfahrungen in der großen Modellstadt Paris, wo es regelmäßig zu Zusammenstößen zwischen den Fans und Gegnern kommt und auch schon Regeln geändert werden mussten, um die sich häufenden Unfälle einzudämmen.

Die neuartigen Roller haben aber auch das Zeug, disruptiv zum neuen Geschäftsmodell im ITK-Channel zu werden. So mancher Distributor hat schon E-Scooter von Herstellern, wie die von iconBit, im Programm. Man sieht sie mittlerweile auch schon bei großen Discountern und Elektronikfachmärkten.

Ein weiterer interessanter, jedoch noch nicht abschließend geklärter Gedanke ist die das Thema Steuerfreiheit von E-Scootern. Anders als bei Kraftfahrzeugen, welche als Dienstagwagen genutzt werden, greift hier ggf. die 1%-Regelung nicht. Diese gilt nur für Fahrzeuge, welche als Kfz eingeordnet werden.

Noch viel Nachrüstungs- und Klärungsbedarf

Doch viele der dort als besonders günstig angebotenen E-Scooter haben gar keine Straßenzulassung und dürfen daher nur auf dem eigenen Hof oder in der Garageneinfahrt genutzt werden. Hier besteht also noch so mancher Nachrüstungs- und Klärungsbedarf, ebenso in punkto Verkehrssicherheit. Mehr dazu später. Für Systemhäuser ergeben sich unter Umständen neue Geschäftsfelder, indem sie Verleihern etwa helfen, in der Stadt oder Region eine entsprechende IT-Infrastruktur aufzubauen.

Abgesehen davon können die elektrischen Tretroller, so wie bei der Deutschen Telekom in Bonn, auch als Werbefläche dienen, obwohl Jashar Seyfi, der Deutschlandchef des amerikanischen Verleihers und neuen Partners des Rosa Riesen HORIZONT gegenüber betont hat, dass man „keine fahrende Litfaßsäule“ sein wolle. Ähnlich haben sich auch Circ, Voi und Bird sowie Tier geäußert. Letzterer hat aber über einen Sprecher wissen lassen, dass man wie im Fall des Münchener Verkehrs- und Tarifverbunds MVV gegenüber Co-Branding durchaus aufgeschlossen sei.

Wie ist es mit der Öko-Bilanz?

Was die Umweltverträglichkeit oder Öko-Bilanz angeht, gilt natürlich abzuwägen, wie die E-Scooter produziert werden und konstruiert sind. Ein fest verbauter Akku hat für die Provider wie Lime, Bird oder Uber und Partnerunternehmen von ÖPNV-Betreibern wie BVG in Berlin, HVV in Hamburg oder MVV in München den Vorteil, dass sie nicht gestohlen werden können. Der Nachteil ist aber eine geringere Lebensdauer der E-Scooter.

Private Käufer müssten entweder im Keller über Stromzufuhr verfügen oder das ganze Vehikel mit dem Gewicht von sieben bis 20 Kilogramm in die Wohnung tragen, um es aufzuladen. Bei vier oder fünf Stockwerken Altbau ohne Fahrstuhl ist das ein zweifelhaftes Vergnügen.

Mit einem herausnehmbaren oder austauschbaren Akku wäre das Laden in den eigenen vier Wänden viel leichter und könnten sich die Besitzer für längere Strecken auch einen Zweit-Akku zulegen. Fahrradhändler erfreuen sich mitunter hoher Margen durch den Verkauf von Ersatz-Akkus oder den Akku-Reparatur-Service für E-Bikes. IT-Fachhändler könnten beim Verkauf von Elektro-Tretrollern auch davon profitieren. Und mit ihrem Knowhow bei Themen wie Vernetzung und Security wären sie den Elektromärkten und Discountern gegenüber auch deutlich im Vorteil.

Fazit: So wie nicht jeder Gegner der E-Scooter ein alter Zausel ist, der sich Neuem verschließt, ist nicht jedes der Gefährte sicher und nicht jeder Fahrer sicher unterwegs. Es muss daher auch im Interesse der Fans für ein geordnetes Miteinander gesorgt sein, um die Akzeptanz zu erhöhen. Auch sollte in puncto Umweltverträglichkeit noch nachgerüstet werden, denn es kann nicht sein, dass manche der E-Roller nach zwei Monaten schon „den Geist aufgeben“ und einen CO2-Fußabdruck wie ein Mittelklassewagen haben. Andererseits sind, richtig genutzt, aber auch die Vorteile zu sehen und eröffnen sich für IT-Fachhändler und Systemhäuser auch neue Geschäftsfelder. Für BUSYMOUSE als ihr Datacenter- und Managed-Service-Partner auch.

 

Quelle Titelbild: iStock / Kwangmoozaa